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Books on Demand - Ein Erfahrungsbericht (Artikel erschien März 2002)
In früheren, BoD-losen Zeiten wäre es ziemlich teuer geworden, meine Doktorarbeit als Buch zu veröffentlichen. Welches Lektorat interessiert sich schon für ein Exotenthema wie ‘Moderne Klassiker der schwedischen Literatur und ihre Science Fiction’? Ich hätte einen wissenschaftlichen Zuschussverlag für den Druck bezahlen müssen, und jeder Student weiss, welche Preise dort verlangt werden. Aber seit kurzer Zeit gibt es glücklicherweise eine Alternative: Kriterium 1: Erfahrung und Engagement Als erstes sollte man auf der Homepage des Verlags nachschauen, wie viele Bücher im Gesamtverzeichnis stehen. Am sichersten erscheint eine Spanne von ca. 20-100. Bei zu wenig Veröffentlichungen ist man als Kunde noch Versuchkaninchen, bei zu vielen lässt oft der Service zu wünschen übrig. Zumindest habe ich von dem ältesten und größten Verlag (www.bod.de) gehört, dass er inzwischen sehr anonym geworden ist und nur schleppend auf die Wünsche der Autoren reagiert. Dagegen sind neue, kleine Unternehmen noch besonders um ihre Kunden bemüht. Als ein Test für den Grad des Engagements hat sich bei mir bewährt, eine E-Mail mit Bitte um nähere Informationen an den Verlag zu schicken und dann zu sehen, wie schnell und ausführlich die Antwort erfolgt. Kriterium 2: ‘Nebenkosten’ Auf den ersten Blick wirken alle BoD-Verlage verblüffend preiswert, und bei den meisten Websites flasht einem sofort ein Supersonderangebot entgegen. Das bedeutet aber überhaupt nichts, denn wie ich feststellen konnte, wachsen die Kosten oft ganz gewaltig durch diverse ‘Zusatzleistungen’. Bei einem BoD-Auftrag muss man als Autor gewöhnlich einen Grossteil der Verlagsarbeit selber machen, z.B. Bilder scannen und einfügen, die Word-Datei in Postscript bzw. PDF umwandeln, ein Buchcover entwerfen ... Wenn man dazu keine Lust oder nicht die nötige technische Ausrüstung hat, kann der Preis schnell hochschiessen. Manchmal werden sogar ganz selbstverständliche Leistungen wie die Vergabe einer ISBN-Nummer oder die Garantie, dass das Buch länger als ein Jahr gespeichert und im Buchhandel erhältlich ist, extra berechnet. Wenn der Verlag seriös ist, dann sollte also auf der Website oder zumindest im Kostenvoranschlag genau definiert sein, welche Dienste im Grundpreis enthalten sind, welche Extras es gibt und wie viel sie kosten. Kriterium 3: Verkaufspreis Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal von BoD-Verlagen sind die Preise, für die ihre Bücher im Handel erhältlich sind. Oft werden übertrieben hohe Summen verlangt, so dass sich bestimmt keine Käufer finden. Gleichzeitig steht aber im Vertrag, dass der Autor selbst zehn bis fünfzehn Pflichtexemplare abnehmen muss. Durch diesen Zwangskauf finanziert sich dann der Verlag. Allerdings muss man hierbei zwischen wissenschaftlichen und belletristischen Werken unterscheiden. Da z.B. eine Doktorarbeit meist nur von Universitätsbibliotheken gekauft wird, denen der Preis relativ gleichgültig ist, sind 30 Euro pro Exemplar nicht unüblich. Die Tantiemen werden dann zwischen Verlag und Autor aufgeteilt. Überteuerte Ladenpreise sind also gewöhnlich nur dann ein Zeichen für unseriöse Verkaufsstrategien, wenn es sich um literarische Werke handelt. Erfahrungen mit ‘Monsenstein & Vannerdat’ Nach meiner Recherche entschied ich mich schliesslich für den MV-Verlag. Dabei spielten auch persönliche Gründe eine Rolle, v.a. befand sich das Unternehmen in meiner Studienstadt Münster, und ich brauchte nicht alle Unterlagen per Post hin und herzuschicken. Aber am wichtigsten war doch, dass alle oben genannten Kriterien erfüllt waren: Der Verlag hat bisher ca. 65 Bücher herausgebracht, die preiswert sind und äußerlich ansprechend wirken. Die zwei Inhaber haben sich erst kürzlich selbstständig gemacht, sie gehen auf jeden Extrawunsch ein und beantworten E-Mails oft noch am selben Tag. Vor allem ist mir aber ihre Website positiv aufgefallen, die eine überwältigende Fülle an Informationen bietet, insbesondere das ‘Handbuch für Autoren’.
Dieser Text ist so informativ, dass ich nur jedem BoD-Kunden empfehlen kann, ihn sich herunterzuladen. Er beschreibt genauestens, welche Vorarbeiten man leisten kann, damit die Herstellung des Buches möglichst preiswert wird, welche Papiersorten, Schriftarten, Umschläge usw. es gibt. Das Handbuch warnt auch vor häufigen Fehlern in der Manuskriptgestaltung, die einen Druck schwierig machen. Zum Beispiel habe ich Bilder für meine Doktorarbeit mit möglichst hoher Auflösung gescannt und sie hinterher als JPEG-Datei auf eine handliche Datenmenge verkleinert. Das war genau falsch. Lieber gleich eine niedrige Auflösung wählen, die noch gut auf eine Diskette passt! P.S.: (Am Anfang beschwerten sich ein paar Kunden, dass sie mein Buch nicht in ihrem Buchladen bestellen konnten. Auch der Eintrag bei Amazon liess auf sich warten. Anscheinend ist das ein allgemeines Problem bei BoD-Verlagen, weil sich der Buchhandel z.T. noch gegen diese Art des Vertriebs sperrt. Inzwischen - Jahr 2004 - scheinen diese Schwierigkeiten behoben zu sein.) |