Die Zeit, nachdem man einen Menschen verloren hat, ist schmerzhaft und intensiv. Die Leere, die durch den Tod entsteht, lässt sich nicht einfach füllen, auch nicht durch Worte und Rituale. Aber beides kann beim Abschied helfen. Wenn Sie möchten, dass ich als Trauerrednerin eine persönliche, tröstende Feier für Sie gestalte, finden Sie nähere Informationen auf meiner Website www.worte-die-bleiben.de
Hier auf meiner Homepage veröffentliche ich meine Lyrik, die auf verschiedene Weise um die Themen Endlichkeit, Verlust und Transzendenz kreist. Die Texte dürfen gern für Abschiedsfeiern genutzt werden.
Hommage an Charles Henry Brent,
1862 - 1929
Ein Schiff tanzt auf den Hafenwellen,
schon sieht man es ins Weite ziehn.
Beladen segelt es zu hellen,
unbekannten Ufern hin.
Am Kai winkt ihr zum Abschied jenen,
die schemenhaft am Schiffsbug stehen,
wo flirrend sich die Schatten dehnen
im Meeresschimmern kaum zu sehen.
Der Horizont liegt diesig da.
Das Schiff verschwindet Stück für Stück.
Was eben noch so greifbar war,
löst sich ganz auf, lässt euch zurück.
Jemand sagt still: „Nun ist es fort."
Doch natürlich stimmt das nicht,
denn an einem andren Ort
kommt das Schiff gerad jetzt in Sicht.
Dort haben seine Masten eben
den fernen Horizont erklommen,
in Hoffnung auf ein neues Leben.
Und alle winken zum Willkommen.
Tod
reimt sich auf Lot
hilft uns auszuloten
was unter der Oberfläche steckt.
Sind wir auf Grund gelaufen?
Fischen wir in trübem Gewässer?
Oder lassen wir uns tragen von der Tiefe
in der das Mysterium haust
wie Phosphor leuchtende Fische.
Friedwald
Wenn wir wieder Bäume werden,
die sich in den Himmel wiegen,
sich tief ins Rund der Erde schmiegen,
dann ist Ruhe, dann ist Frieden,
wenn wir wieder Bäume werden.
Wenn wir wieder Erde werden,
ganz dem Schwinden hingegeben,
mit den Wurzeln uns verweben,
dann wächst aus uns neues Leben,
wenn wir wieder Erde werden.
Wenn wir wieder Himmel werden,
Federblau und weite Ferne,
ein Gewölbe voller Sterne,
dann verschwinden wir hier gerne.
Falls wir wieder Himmel werden.
Sakura
(Rilke im Kirschgarten)
Du musst das Sterben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass, was kommt, mit dir geschehen
so wie im Frühling Blüten wehen und vergehen.
Die Brise streift sie vom Geäst.
Sich das Welken zu ersparen,
nähme der Knospe jeden Sinn.
Sie reift und stirbt seit vielen Jahren,
und löst sich flirrend mit den Scharen,
die auch des Blühens müde waren,
zu einem neuen Frühling hin.
Carpe Diem
Es heißt, Vergänglichkeit macht das Leben
wertvoll.
Das Pochen der Zeit in unseren Adern.
Memento mori. Carpe diem.
Lebe jeden Tag, als wäre er der letzte.
Du kannst dem Leben nicht mehr Tage geben,
aber dem Tag mehr Leben.
Manchmal ist es ganz anders.
Da saugt die Vergänglichkeit den Sinn aus allem.
Die Lebenslinie zerfällt in Einzelbilder.
Manche glücklich.
Manche traurig.
Die meisten vergessen.
Wozu noch etwas anfangen,
wenn alles endet?
Physikalisches Requiem
Lebendiges besteht aus Leere.
Neutrinos, Quanten, Elektronen
kreisen in uns durch das All,
rasen in endlosem Fall
durch das Nichts, das wir bewohnen.
Der Körper tut, als ob er wäre.
Welche Kraft hält uns zusammen,
formt uns aus dem Staub von Sternen?
Unsre Essenz bleibt ewig, immer,
und doch sind wir ein Hauch, ein Schimmer,
verwehen in den weiten Fernen
aus denen die Atome stammen.
Was wir berühren, ist nur Schein.
Ein Mensch besteht aus leeren Räumen,
Wellenmustern, Quantenschaum ...
In Wirklichkeit gibt es ihn kaum.
Doch Leere lässt viel Platz zum Träumen.
Es ist nicht nichts, ein Nichts zu sein.
Q & A
Reg dich ab, sagt der Tod.
Alles stirbt. die Menschheit wird sterben ...
Früher oder später.
Wahrscheinlich früher, so wie es jetzt läuft.
Mach nicht so ein Drama, sagt der Tod.
Alles hat seine Zeit.
Der Archaeopterix hatte seine Zeit,
und der Homo Sapiens hat seine Zeit.
Entspann dich, sagt der Tod.
Du kannst es nicht aufhalten. Das kann nur ich.
Vielleicht. Wenn es mir passt.
Denk mal optimistisch.
Hab dich nicht so, sagt der Tod.
Natürlich ist es schade um euch.
Und den Rest eurer Welt.
Jedes Leben ist kostbar, solange es dauert.
Lehn dich zurück, sagt der Tod.
Nichts geht verloren.
Es ist ein Kommen und Gehen.
Alles bleibt im Fluss.
.
Aber trauern darf man schon?, frage ich.
Ja, trauern darf man.